Nachweis des seltenen aquatischen Rüsselkäfers Bagous elegans

Märkische Ent. Nachr. ISSN 1438-9665 1. Dezember 2011Band 13, Heft 2 S. 181-187

Ein weiterer Nachweis des seltenen aquatischen Rüsselkäfers Bagous elegans(FABRICIUS, 1801) aus Brandenburg (Coleoptera, Curculionidae) Lars Hendrich & Ute Michels Summary Another record of the rare aquatic weevil Bagous elegans (FABRICIUS, 1801) from Branden-burg (Coleoptera, Curculionidae) The rare aquatic weevil Bagous elegans (FABRICIUS, 1801), formerly Dicranthus,is recorded from lake Schwielochsee, north of Jessern in south-eastern Brandenburg. A single specimen was identi-fied in 2008, when macroinvertebrates of larger lakes have been sampled in connection with the EU Water Framework Directive. The locality at the Schwielochsee is described and mapped, and the specimen is illustrated. Further studies are needed to identify the exact distribution and population size within the reed belts [Phragmites australis (CAV.)TRIN. EX STEUD.]of the lake.

Zusammenfassung

Der in Deutschland äußerst seltene, aquatisch lebende Rüsselkäfer Bagous elegans (FABRICIUS, 1801) (= Dicranthus elegans) wird aus dem Schwielochsee, nördlich von Jessern, im südöstlichen Brandenburg gemeldet. Im Rahmen einer Untersuchung des Makrozoobenthos ausgewählter Tran-sekte verschiedener Seen Brandenburgs (Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft), konnte 2008 ein einzelnes Exemplar gefangen werden. Der Fundort wird genau beschrieben und auf einer beigefügten Karte markiert. Weitere Untersuchungen sind nötig, um die Populationsgröße und die Verbreitung der Art im Röhrichtgürtel [Phragmites australis (CAV.)TRIN.EX STEUD.]des Sees besser einschätzen zu können.

Einleitung

Die aquatisch lebenden Rüsselkäfer der Unterfamilie Bagoinae sind wichtige Bioindi-katoren für die Habitatqualität eines Gewässers oder Feuchtgebiets, auch wenn sie bei limnologischen oder auch hydroentomologischen Untersuchungen leider noch immer kaum berücksichtigt werden. Viele dieser zumeist monophagen und häufig auch noch sehr ausbreitungsschwachen Arten sind in Deutschland heute sehr selten geworden, obwohl die Fraß- und Entwicklungspflanzen noch immer vorhanden sind, wenn auch mit z.T. deutlichem Rückgang und Einstufung in Gefährdungskategorien. In den beiden sehr ausführlichen Arbeiten von SPRICK (2000, 2001) finden sich umfang-reiche Angaben zur Verbreitung, den Gefährdungsursachen und zur Habitatbindung aller in Deutschland vorkommenden Bagoinae.

Die Bagoinae Baden-Württembergs

werden aktuell mit vielen Fotos und Informationen bei RHEINHEIMER &HASSLER (2010) vorgestellt. Die vorliegende Arbeit stellt einen weiteren Nachweis des in Deutschland äußerst sel-tenen, über Mittel- und dem südlichen Nordeuropa bis nach Zentralasien verbreiteten Rüsselkäfers Bagous elegans (FABRICIUS, 1801) vor (Abb. 1), der 2008 im Rahmen einer Untersuchung des Makrozoobenthos ausgewählter Transekte verschiedener

182 Hendrich, L. & U. Michels: Nachweis von Bagous elegans aus BrandenburgSeen Brandenburgs, im Auftrag des Ministeriums für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, durch das Planungsbüro Aqualytis, erbracht wurde. In der älteren Literatur wird die Art noch in der Gattung Dicranthus geführt, die bis 1992 als monotypisch galt. KODADA et al. (1992) beschrieben eine zweite, sehr ähnliche Art. Bei CALDARA &O ́BRIEN (1998) erfolgt in der Revision der westpaläarktischen Bagous die Eingliederung von Dicranthus in die Gattung Bagous. Biologie und HabitatbindungBagous elegans lebt monophag und submers an Phragmites australis (CAV.)TRIN. EX STEUD. (Gewöhnliches Schilf) und besiedelt nach MESSNER &DIECKMANN (1987) sowie KODADA et al. (1992) Flüsse, Seeausflüsse, Brandungszonen von Großseen und Flussseen, mit sandigem oder kiesigem Grund. Die Larvalentwicklung findet in den Internodien der Schilfhalme statt, wobei stets ein Internodium mit einer Larve besetzt ist. Die neue Generation ist bereits im August fertig entwickelt und wartet bis zum Schlupf im Herbst in der Puppenhöhle. Dann frisst sich das Tier nach außen und geht zur Überwinterung in die Bodenstreu an Land (POOT 1972, SPRICK 2000). Die kreisrunden Schlupflöcher der Imagines sind im Durchmesser etwas kleiner als die der häufigen und weit verbreiteten Schilfeulen (Lepidoptera, Noctuidae, Gattungen: Simyra, Senta, Chilodes) (Hendrich vid.). Die Entwicklung wird in der Regel nur in solchen Internodien erfolgreich zu Ende gebracht, die sich auch noch in den Sommer-monaten, bei relativ niedrigem Wasserstand, unter der Wasseroberfläche befinden. Es werden nur solche Schilfbestände besiedelt, die in den Sommermonaten nicht von einem Algenfilm besetzt sind (SPRICK 2000, Hendrich vid.). Gebietsbeschreibung Der Schwielochsee befindet sich im Südosten Brandenburgs, bedeckt eine Fläche von 13,3 km² und gehört bezüglich seiner Morphologie zu den sog. Rinnenbeckenseen. Er wird in seinem nördlichen Teil von der Spree durchflossen, die vom Westen einmün-det und den See nach Norden verlässt. Der Schwielochsee war einst von großer wirt-schaftlicher Bedeutung für die Lausitz. Der Hafen von Goyatz, früher Umschlagplatz und Zollstation, gehört zu den letzten Überbleibseln aus dieser Zeit. Heute ist der See ein touristisches Zentrum insbesondere für den Wassersport. Die Uferstrukturen des Schwielochsees sind dementsprechend stark anthropogen überprägt durch Verbauung und touristische Nutzungen. In einigen Uferbereichen sind jedoch noch gut ausgebil-dete Röhrichtbestände vorhanden (Abb. 3), begleitet von Auen- und Waldgehölzen. Am unmittelbaren Fundort bei Jessern bestehen die Habitatstrukturen der benthischen Fauna zu ca. 60% aus Sand, 30% aus emersen Makrophyten (Phragmites) und zu immerhin 10% aus Totholz.

Wirbellosen Tiere in Trinkwasserverteilsystemen

Verfahren zur Analyse und Bewertung von wirbellosen Tieren in Trinkwasser-
verteilsystemen entwickelt

Ergebnisse des Forschungsteams

Die Trinkwasserqualität muss anhand der chemischen, physikalischen, toxikologischen und hygienischen Parameter überwacht und bewertet werden. Zunehmende Bedeutung erlangt als weiterer Bewertungsansatz die biologische Trinkwasserqualität, denn organische partikuläre Ablagerungen im Rohrnetz können zur Besiedelung von Trinkwassernetzen durch wirbellose Tiere, den Invertebraten, führen. Zur qualitativen und quantitativen Untersuchung von tierischen Organismen in Wasserversorgungsanlagen existieren bislang weder in Deutschland noch im europäischen Kontext verbindliche, standardisierte Verfahren. 

Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojektes der TU Berlin, der TU Dresden, den Firmen Aqualytis und Scheideler Verfahrenstechnik GmbH wurde ein Probenahme- und Messsystem entwickelt, das es erlaubt, Wasserasseln, deren Kot und andere Invertebraten schonend und quantitativ bei einer Beprobung am Hydranten abzutrennen. Die Erfassung, Analyse und Bewertung der Invertebraten in Systemen der Trinkwasserverteilung wurde weiterentwickelt und das Auftreten von Invertebraten wurde durch einen Multimetrischen Bewertungsindex

 

Überblicksuntersuchung

Überblicksuntersuchung zur Früherkennung von Mak-roinvertebraten in Trinkwasserverteilungsssystemen
Ziel
Im Rahmen einer Überblicksuntersuchung kann für ein defi-niertes Versorgungsgebiet festgestellt werden, ob Makroinver-tebraten (z.B. Wasserasseln) in ihrem Verteilungssystem vor-handen sind und inwieweit die Trinkwasserqualität Ihres Versor-gungsgebietes dadurch beeinflusst wird. Für jede Versorgungs-zone ist eine getrennte Betrachtung sinnvoll.
Vorgehensweise
Zur Beurteilung des Vorkommens von Makroinvertebraten in der Trinkwasserverteilung ist eine Mindestanzahl biologischer Un-tersuchungen im Trinkwassernetz erforderlich. Pro Versor-gungseinheit (Wasserwerk) werden insgesamt 5 Untersu-chungsbereiche ausgewählt, die jeweils über einen Hydranten und optional über einen Partikelfilter beprobt werden. Von die-sen 5 Untersuchungsbereichen sollten sich
→ 3 in einer Entfernung von ca. 500 bis 1000 m vom Was-serwerk befinden und
→ 2 Bereiche in der Peripherie des jeweiligen Netzes gelegen sein.
Auswertung/Bewertung
→ Einordnung und Vergleich der Daten im Datenpool
→ Bewertung mittels Multimetrischem Index
Ergebnis
Entscheidungsgrundlage zum weiteren Umgang mit der Thema-tik Makroinvertebraten durch nachfolgende Aussagen:
→ sind bereits Makroinvertebraten in ihrem Trinkwas-serverteilungsnetz vorhanden und nachweisbar, bzw. ist zumindest durch vorhandene Ausscheidungspartikel davon auszugehen,
→ können Makroinvertebraten und andere wirbellose Tiere im Trinkwassernetz überleben,
→ werden Makroinvertebraten in Partikelfiltern von Hausin-stallationen (also bei Ihrem Kunden) sichtbar,
→ müssen ggf. Nahrungsbestandteile vermindert werden, damit Makroinvertebraten nicht zum Problem werden
maßgeblich beteiligte Firmen, Institutionen, Spezialisten
Probeentnahme: AquaLytis, Scheideler Dienstleistungen
Analytik: AquaLytis
Bewertung: Kompetenzteam Biologische Trinkwasserqualität
Ergebnisdokumentation
Prüfzeugnisse, Kurzbericht

400.000 km Rohrleitung und kein Leben?

Von der Information bis zur Erfolgskontrolle

Sie machen sich ein Bild
  • Der biologische Blick
    • in Ihre Analysedaten
    • auf die Technologie Ihrer Wasseraufbereitung
    • auf Ihr Rohrleitungssystem
Sie bekommen den Überblick
Sie erhalten einen Plan
  • Entwicklung von Handlungskonzepten / Strategien
  • Erarbeitung von Maßnahmeplänen
Sie wissen eine Lösung
  • Koordinierung und wissenschaftliche Begleitung von Maßnahmen
  • Notwendige Anpassung und Modifizierung
  • Moderation
Sie kennen das Ergebnis
  • Ergebnisvalidierung und Erfolgskontrolle

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