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Ökosystemare Umweltbeobachtung (ÖUB) im Biosphärenreservat Spreewald

Vorhaben: Untersuchung von Makroinvertebraten und Wasserpflanzen (Makrophyten) in 13 Fließgewässern nach dem Methodenkatalog der ÖUB.

Zeitraum: 2019

Partner: LimnoLabor, Dr. Ariane Nowak

Wie wir vorgehen

Bevor die eigentlichen Untersuchungen im Gelände losgehen können, muss einiges organisiert werden. Probenahmetermine müssen abgestimmt werden, eine Übersichtskarte erstellt, Karten mit Anfahrtsbeschreibungen werden gedruckt, die Gerätschaften und Materialien werden auf ihre Funktionalität geprüft.

Mit viel Equipment geht es Mitte April durch den schönen Spreewald. Mitunter sind längere Fußmärsche von Nöten. Selten gibt es befestigte Wege, die zur Probestelle führen. In Wathosen laufen wir mit Eimern, Wannen, Schalen, Bürsten und Schreibutensilien sowie einem stabilen Kescher mit Teleskopstab quer durch den Wald oder über Grünflächen. Am Ende des Tages kommen da schon ein paar Kilometer zusammen, die wir auf diese Weise in Wathosen an Land zurücklegen. In diesen Aufzug geben wir sicher ein komisches Bild ab und wecken gelegentlich auch das Interesse von Anwohnern, Passanten und natürlich auch Forstmitarbeitern, Jagdpächtern und Landwirten. Manchmal entwickelt sich ein kurzes Gespräch, indem wir nicht selten wissenswertes zur Umgebung und dem Gewässer selbst erfahren.

Mit einem GPS-Gerät werden die Koordinaten verglichen. Auf mindestens 10 m genau muss die Lage der Untersuchungsstrecke sein. Denn im Rahmen der ökosystemar angelegten Umweltbeobachtung werden in den Biosphärenreservaten die gleichen Messstellen in der Regal alle drei Jahre untersucht, um Veränderungen und Entwicklungstendenzen erkennen zu können.

An den Messstelle angekommen, breiten wir unsere Gerätschaften aus und verschaffen uns einen Überblick. Aus Sicherheitsgründen und weil es zu zweit natürlich auch schneller geht, fahren wir nicht allein zur Probeentnahme. Vor dem ersten Schritt ins Gewässer wird mit einem Teleskopstab die Wassertiefe und Trittfestigkeit des Sediments überprüft. Während der eine vorsichtig durch das Gewässer watend die Proben entnimmt, füllt der andere an Land das Protokoll aus und schwingt einen Kescher entlang der Ufervegetation. Im Gegensatz zu den erwachsenen Insekten (den sogenannten Imagines) können die Larven nicht immer sicher bis zur Art bestimmt werden. Die Imagines dienen daher insbesondere der Absicherung der Artenliste. Der Probenehmer entnimmt mit einem Stabilen Kescher, dessen quadratische Öffnung mit Stahlkanten versehen ist, Material von potenziellen Kleinstlebensräumen. Das kann der von Sand oder auch von Laub bedeckte Gewässerboden sein oder auch ein großer Totholzast (im Idealfall mit sich leicht ablösender Borke). Ins Wasser hängende Gräser oder Feinwurzeln von Erlen sind ebenfalls beliebte Wohnorte von aquatischen Insektenlarven.

Die Tiere nach denen wir suchen sind eher klein und manchmal gerade so noch mit bloßen Auge zu erkennen. Wir benötigen mehrere Hundert dieser Tierchen. Das Herauslesen der Wirbellosen aus dem Substrat ist mühselig und wird von uns erst im Labor bei guter Beleuchtung und bequemer Sitzmöglichkeit durchgeführt. Im Gelände sichten wir lediglich nach größeren Tieren. So werden Fische und Krebse wieder ins Gewässer zurücksetzt. Großmuscheln sowie größere Schnecken lassen sich gut ohne Vergrößerung erkennen und können in ihrem Wohngewässer verbleiben. Das gesammelte Probenmaterial wird zur Konservierung in einem 5-Liter Eimer mit hochprozentigen Ethanol aufgefüllt. An einem Tag werden auf diese Weise fünf bis sechs Proben entnommen. Die meiste Arbeit passiert erst im Labor. Gründlich werden die Makroinvertebraten aus dem Substrat ausgelesen und in einem weiteren Schritt von unterschiedlichen Bearbeitern bestimmt, da es für einige Tiergruppen Spezialisten gibt. Am Ende entsteht eine Artenliste, welche eine Bewertung des Gewässers ermöglicht.

Die Ergebnisse

Mit Hilfe eines eigens für die Gewässerbewertung entwickelten Programms wird unter Auswahl eines Fließgewässertyps der ökologische Zustand (bzw. für die Gräben das ökologische Potenzial) berechnet. Leider erreichen nur zwei von 13 Messstellen den guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial. Drei Messstellen werden mit unbefriedigend bewertet. Das bedeutet die vorhandenen Lebensgemeinschaften weichen deutlich von der zu erwartenden Besiedlung ab. Alle weiteren Messstellen erhalten den mäßigen ökologischen Zustand. Gründe hierfür liegen vor allem im verlangsamten Fließverhalten in Folge umfangreicher Stauregulierungsmaßnahmen. Das Gefährdungspotential von Fließgewässerarten ist groß. Denn echte Fließgewässertiere benötigen Strömung, um ausreichend mit Sauerstoff versorgt zu sein und bei einigen Arten auch um ausreichend Nahrung zu erhalten. Fehlt die Strömung im Gewässer siedeln sich vermehrt Arten, welche bevorzugt im Stillgewässern wohnen und Ubiquisten (sogenannte „Allerweltsarten „) an. Auch der graben- und kanalartige Ausbau der Gewässer hat die Gefährdung der an Fließgewässer gebundenen Insekten mit herbeigeführt. Heute wird wieder vermehrt versucht in die andere Richtung zu steuern aber die Liste renaturierungsbedürftiger Fließgewässer ist lang.